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Mut zum Wenigen – Konzentration vs. Multitasking

Mut zum Wenigen - Gemälde: loslassen

Mut zum Wenigen?

Mut zum Wenigen – wozu?
Heutzutage prasseln die Eindrücke der Welt auf uns nieder. Vielfältig, pluralistisch und in schneller Folge. Eine Auswahl fällt daher schwer. Dauerhaft einer einzelnen Sache Aufmerksamkeit zu schenken gelingt manchem kaum noch.  Bei Kindern wird dieses Phänomen sogar als Krankheit erkannt (ADS). Bei Erwachsenen fällt es teilweise nicht mal mehr auf. (Vielleicht schaut niemand aufmerksam und lange genug nach ihnen?)

Langsame hingegen fallen auf. Und Menschen, die sich (nur) einer Sache widmen, fallen des Weiteren auf. Aber sie fallen nicht positiv auf, wie man erwarten könnte. Man spottet vielmehr über sie, sie seien nicht multitasking* fähig, sie seien eindimensional oder ihnen fehle (!) Komplexkapazität. Dabei ist es umgekehrt, sie haben (!) die Monotasking-Kompetenz! Sie sollten sich darum als Monotasker rühmen. Sie brauchen Mut. Mut zum Wenigen.

Doch leider werden Menschen, die es in einem einzelnen Gebiet mit Beharrlichkeit zur Meisterschaft bringen,  nicht mehr entsprechend geachtet. Vielmehr wundert man sich über die eingleisige Biografie. An sich ist aber das durch Beharrlichkeit Erreichte eine wertzuschätzende Kompetenz*.  Wohingegen Multitasking und Komplexkapazität Fähigkeiten sind, die an sich nur in Nischentätigkeiten wirklich gebraucht werden würden – bei Fluglotsen vielleicht.

Das durch Beharrlichkeit Erreichte.

Die Dinge erlangen eben erst Wert durch eine intensive Beschäftigung, nicht durch Flüchtigkeit oder parallele Bearbeitung. Sie erlangen hingegen Wert und Bedeutung durch beharrliche Beschäftigung mit ihnen.

Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig.

(Aus Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry)
 

Es gibt in der Literatur viele Beispiele, in der die Konzentration auf die eine Sache als die lohnenswerte beschrieben wird.  „Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern“ mahnt etwa
Konfuzius zur Beschäftigung mit dem „Kleinen“ oder an anderer Stelle:

»Bei allem, was man tut, ist es wichtig, sich mit ganzer Kraft einzusetzen.«

Geh mit ganzem Herzen.

»Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.
(Konfuzius)

Es gibt auch ganze Bücher, die pointenmäßig die Lehre des Einen vertreten, so wie es Heinz Körners “ Johannes“ beispielsweise mit einfacher Sprache aufzeigt.
Mein Zwischenfazit heißt also: Multitasking ist erstens gar nicht menschenmöglich und zweitens nicht attraktiv. Wenn Dir etwas wichtig ist, dann gib ihm auch die Gewissheit, dass es das Einzige ist, was zur Zeit Deine Aufmerksamkeit hat. Nein zu einem unaufmerksamen und schnellen Hin- und Her!

Was bedeutet nun aber das Neinsagen zur beschleunigten Flatterhaftigkeit für einen Maler?
Soll er die mehrschichtige Sichtweise darstellen, die gleichzeitige Verbundenheit so vieler Eindrücke? In einem Grafikprogramm die Ebenen übereinanderlegen? Schnelles Actionpainting? Die Zerrissenheit des Künstlers in einer unsteten Welt darstellen? Nein.

Der Neinsager

Für mich als Neinsager bedeutet es demgegenüber ein Reduzieren und Wertschätzen des Wenigen. Mir die Dinge wertvoll machen, mir die Formen mit Geduld zähmen. Ich abstrahiere das Komplexe, beruhige die Vielfalt der äußeren Welt durch eine vereinfachte Eindeutigkeit. Statt eines unsteten Flirrens suche ich die wenigtönige Konzentration, die ankerschaffende Komposition. Werthaftigkeit durch Verzögerung ist mein Ziel.

Kunstwerk: Konzentration - Mut zum Wenigen

Was einmal die Quelle eines Flusses sein will, muss sich an einer Stelle sammeln.
Das nenne ich Konzentration.
(Thomas Brill)

Der Wert der Dinge durch das damit beschäftigen

Meine Werke werden folglich die „an sie verlorene Zeit“ aufnehmen, sie werden dadurch im Sinne des Kleinen Prinzen und in Nebengedanken von Proust wichtig. Einerseits nur für mich und dann im zweiten Schritt für meine Gemälde, denn sie werden – einmal durch die geduldige Arbeit geschaffen –  die Werthaftigkeit in sich tragen. Und in diesem Sinne werden sie in ihrer Werthaftigkeit nur Steigerung erfahren können – durch alle diejenigen, die sich einmal auf sie einlassen werden.

Denn in einem dritten Schritt werden Sie und viele andere dem Kunstwerk durch das eigene Beschäftigen (und sei es nur Betrachten und das „In – Erinnerung – Bewahren“) Wichtigkeit verleihen – unweigerlich.

Auf! Das Eine wartet. Machen Sie mit und schenken Sie einem Bild Bedeutung (was nicht nur mit meinen, sondern auch mit allen anderen Bildern klappt.)

Die Ziele Reduktion und Zeitaufnahme lassen sich mit zweierlei Bildern umsetzen:  zum einen Bilder mit einer unglaublichen Zeitinvestition und zum anderen Bilder, in denen eine unglaubliche Einfachheit zu sehen ist….  genau das werde ich angehen!

Wie werden Sie es handhaben? Machen Sie mit beim Mut zum Wenigen? Machen Sie mit beim Neinsagen zum Flatterhaften?

Eine gute (wertvoll aufgeladene) Zeit!

Thomas Brill

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Hintergrund 1
: Dass Menschen in Wahrheit gar nicht multitaskingfähig sind, ist mehrfach belegt, Beispiel: „Schön der Reihe nach…“ Spiegel 01.07.2007 …lesen
Hintergrund 2: Die Beharrlichkeit der Schnecke nach Michael Ende,
Hintergrund 3
: Kung Fu = das durch geduldige/harte Arbeit Erreichte)